Acryl & Sand auf Leinwand 80 x 60 x 1,5 cm
Damals am Sinai (2022) von Pöngse
Online seit 20.03.2023
Wertangabe: 400,00 €

#Malerei #abstrakt #Landschaft

DAMALS AM SINAI

Manchmal malen sich Bilder auch von selber. So auch in diesem Fall. Gedankenverloren beobachtete ich den Fluss der grauen Farbe auf der noch fast jungfräulichen Leinwand, bis sie sich zu einem Busch formte und erstarrte. Einem ziemlich trockenen Busch. Er sah aus wie eine Euphorbia milii, landläufig auch Christusdorn genannt. Als ich noch klein war hatten wir einen auf der Fensterbank stehen. Dieses Exemplar schien mir allerdings zu groß für eine genormte deutsche Fensterbank.
Dann fiel mein Blick auf die blaue Felsformation und als schließlich noch das flammende Rot dazukam, wusste ich, an was mich diese Komposition erinnerte - an meine Zeit auf dem Sinai!
Es musste vor Dekaden gewesen sein, als ich im Angesicht der blauen Felsen lustwandelte. Und da war auch dieser sehr alte, vertrocknete Busch.
Ich hatte den Mann gar nicht bemerkt, der langsam aus dem Schatten der blauen Felsen auf ihn zu schritt. Dann hörte ich Stimmen. Ich fand das merkwürdig, Handys waren noch gar nicht erfunden. Eine dieser Stimmen gehörte dem Mann. Er sprach mit dem Busch. Obwohl ich kein Wort verstand, beobachtete ich andächtig die Szenerie.
Da ich in meinem Studium nicht über eine Einführung in aramäisch hinausgekommen war, zückte ich meinen kleinen Reiseführer und schlug die Seite „Hebräisch für Anfänger“ auf. Ich rief ihm die ersten Worte zu, die dort standen, ohne auf die deutsche Übersetzung geachtet zu haben.
Der Mann drehte sich langsam zu mir um, musterte mich eine Weile und sagte dann: „ Woher soll ich wissen, wie weit es von hier aus bis zum Bahnhof ist?“ Dann wandte er sich wieder dem Busch zu.
Plötzlich, wie aus dem Nichts, stand der Busch in Flammen.
Ich dachte: „Donnerwetter! Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“
Nun war es an mir zu handeln. Wie schon erwähnt, Handys gab es noch nicht, aber ich hatte am Fuß des Berges eine Telefonzelle gesehen. Flugs eilte ich hinunter um die Feuerwehr zu rufen.
Kurze Zeit später kam dann auch der Mann den Berg hinunter. In den Armen trug er zwei Steintafeln. Gerne hätte ich ihn gefragt, was es mit den Tafeln auf sich hatte, aber ich musste mich sputen: der letzte Bus nach Hurghada fuhr um 18:36 Uhr.
Während ich in den Bus stieg, rief er mir in meiner Sprache nach: „Siehe Fremder, das sind die Grundsteine.“
Erst Jahre später erfuhr ich, dass er damit den ersten Baumarkt eröffnet hatte....

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